Über die Freundschaft

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In einer großen Tageszeitung war vor Jahren einmal zu lesen: „Wir haben im Internet jetzt so viele Freunde, dass wir ein anderes Wort für die Richtigen brauchen.“

Es nicht einfach den Begriff „Freundschaft“ zutreffend und umfassend zu beschreiben, „Freundschaft ist wie ein Netz. Es fängt dich auf, wenn du mal die Balance verlierst.“ ist nur eine davon.

Damit ist sicherlich nicht das Internet gemeint. Ein Freund/in ist jemand die/der einen schätzt, die/der auch einmal kritisch sein darf und soll, die/der einem beim Denken/Umdenken und Handeln unterstützt, einem Schwächen und Fehler nachsieht und einem als Ganzes akzeptiert so wie man ist – und die/der auch in echten Lebenskrisen einfach da ist…

Was bedeutet Freundschaft? Akzeptanz, Wertschätzung, Freiheit, Vertrauen. Das bedeutet, dass man seine Freunde und ihre Lebenseinstellung so akzeptiert wie sie sind und sie nicht verändern will. Wertschätzung ist wichtig, dass man seine Freunde nicht bewertet, wenn sie mal einen schlechten Tag haben oder Mist gebaut haben. Freiheit ist wichtig – man muss nicht ständig mit Menschen zusammen sein –  und trotzdem können es die besten Freunde sein. Vertrauen gehört dazu, dass man ehrlich zueinander und tolerant ist.

Freundschaft ist etwas Besonderes, etwas intimes und privates, etwas persönliches – es ist vor allem mehr als ein „Klick im Internet“. Ich denke, es ist das Beste, das einem passieren kann.

Durch meine Tätigkeit als Yogalehrerin habe ich in den 20 Jahren sehr viele Freundschaften knüpfen dürfen. Und heute möchte ich eine ganz besondere Freundschaft von 2 Teilnehmerinnen in meinen Yogakursen hervorheben:

Eine Freundschaft die schon lange besteht, über viel Jahre hindurch. Und es ist schön anzuschauen, welche Kreativität in den Yogakursen entsteht. Der Körper wird in Schwung gebracht und die Fantasie beginnt zu sprießen. So sind Körper, Geist und Seele und vor allem die Freundschaft vereint. Und zum Geburtstag gibt es dann eine perfekt gestaltete „Yogatorte mit Faszienrollen“.

Ein sehr nette Geste zum Geburtstag! Und diese Freundschaft soll noch weitere viele Jahre hindurch bestehen bleiben – das wünsche ich euch von ganzem Herzen!

Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die ich vor einiger Zeit gelesen habe:

Das Haus mit der offenen Tür

Eine ganz normale Straße war die Ottostraße. Die Häuser ähnelten einander ein bisschen und die Leute grüßten sich wie in anderen Straßen auch. Manche waren miteinander befreundet, manche stritten sich. Eine ganz normale Straße also.
Eines aber war anders. Ein Haus in der Ottostraße unterschied sich von den anderen Häusern. Das Haus der Müllers. Dessen Haustür stand fast immer offen und jeder wusste: „Aha, bei Müllers ist jemand zu Hause und ich bin willkommen.“
Wer Lust auf ein Schwätzchen hatte, ging einfach mit einem „Hallo!“ auf den Lippen durch die offene Tür in die Wohnküche. Und dort traf er ein Mitglied der Müllers, das sich über Besuch freute. Wie schön das war! Man konnte reden, es gab zu trinken, und für Hungrige hatte Müllers auch etwas übrig. Auch wer Kummer hatte oder sich alleine fühlte, ging zur Müller´schen Wohnküche, denn, wie gesagt, die Haustür stand meist offen.
Die Bewohner der Straße freuten sich darüber und kamen oft in das Haus mit der offenen Tür. Eigentlich saß fast immer jemand dort und oft ging es lustig zu. Manchmal kam es, dass man ein Fest feierte, weil es sich gerade ergab. Und weil sich fast alle Leute aus der Ottostraße immer wieder einmal bei Müllers trafen, verstanden sie einander viel besser. Jeder kannte jeden, und jeder freute sich, wenn man sich traf. Zu dumm, dass Müllers ab und zu auch einmal nicht zu Hause waren! Dann sah man sich nicht, höchstens kurz im Vorübergehen. Es gab nämlich nur ein Haus mit einer offenen Tür.
Eines Tages musste Frau Müller für längere Zeit verreisen und schnell begannen die Leute zu vergessen, dass sie einander aus Müllers Wohnküche kannten. Sie mieden Begegnungen oder schauten zur Seite, wenn sie sich unterwegs trafen. Auch den einsamen Müllerkindern und Papa Müller ging man aus dem Weg. Das war bequemer. Unfreundlich war es in der Ottostraße geworden und irgendwie dunkel und trist. Und als Frau Müller nach vielen Wochen heimkehrte, schloss sie die Tür traurig hinter sich zu.
Die dunkle und kalte Jahreszeit kam und sie fühlte sich in diesem Jahr besonders dunkel und kalt in der Ottostraße an. Wie sehr sehnten sich die Leute nach der hellen Wohnküche der Müllers. Sie träumten von Bratapfelduft und Tee, von Napfkuchen und Gesprächen am Abend. Immer häufiger dachten sie daran und als die Adventszeit kam, sagte manch einer: „Ach, wie schön war es doch früher in unserer Straße! Und wie gemütlich!“
Bei Müllers war es auch in diesem Herbst gemütlich. Dennoch fehlte etwas, und Frau Müller wünschte sich sehnlich, die Haustür wieder öffnen zu können. Und eines Tages im Advent buk sie einen Napfkuchen und machte die Tür langsam auf. Doch was war da drüben bei Bergers? Die Haustür stand … offen… !?
Frau Müller lächelte, holte ihren Napfkuchen aus der Küche und ging langsam über die Straße.

© Elke Bräunling

RR 27.9.2019

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